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Gerichte mit Geschichte: 15 Fakten über Had’n, das Kraftkorn aus Südkärnten

Kärntens Kraftkorn kam über die Mongolei nach Europa und schließlich in den Süden Kärntens, wo der Buchweizen seinen Namen „Had’n“ erhielt. Seit dem 15. Jahrhundert wird die Pflanze im Jauntal kultiviert und zubereitet: früher als Grundnahrungsmittel in Form des Had´nsterz, heute in einer Vielzahl an Varianten – von Had´nnudeln bis hin zur Had´ntorte.


Gerichte mit Geschichte: 15 Fakten über Had’n, das Kraftkorn aus Südkärnten ♥ Lesezeit: 5 Minuten


Mit Unterstützung vom Land Kärnten durch ein Arbeitsstipendium für freiberufliche Künstler*innen und freischaffende Wissenschaftler*innen


Buchweizen

Fagopyrum esculentum, der Buchweizen, wird in Südkärnten „Had’n“ genannt und ist in anderen Teilen Österreichs auch als Heiden, Hadn oder Heda bekannt. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf die Annahme, dass der Buchweizen von den „Heiden“ aus nicht-christlichen Ländern stammt.

Gerichte mit Geschichte: 15 Fakten über Had’n, das Kraftkorn aus Südkärnten

Ursprung

Man vermutet, dass Buchweizen seinen Ursprung in Südostasien hat und von Tataren und Sarazenen zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert über die Mongolei nach Europa gebracht wurde. Über Italien soll er dann in Kärnten gelandet sein.

Urkundliche Erwähnungen

Buchweizen wurde vor allem im Drautal, im Gailtal sowie im Jauntal angebaut. Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Buchweizenanbaues im Villacher Raum stammen aus dem Jahr 1442 und 1445.

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Had’n in Form der berühmten Kärntner Had’nnudeln
Gerichte mit Geschichte: 15 Fakten über Had’n, das Kraftkorn aus Südkärnten

Had’nsterz

Im 16. und 17. Jahrhundert war Had’n ein wesentlicher Bestandteil der Küche in Südkärnten und auch der Südsteiermark. Schon in der Früh kam der Had’nsterz auf den Tisch. Dies galt nicht nur als gesunde, sondern auch als günstige Mahlzeit: Lange war der Had´nsterz als „Arme-Leute-Essen“ bekannt.

Nationalspeise von Heidekorn

Erst im 19. Jahrhundert wurde der Had’nsterz als Begleitung zum Kaffee beliebt. 1862 definierte Mathias Lexer in dem „Kärntischen Wörterbuch“ Sterz als „eine Nationalspeise von Heidekorn“.

Blütezeit

Buchweizen gedeiht auf kärgstem Boden. Die Pflanze wird etwa 60 Zentimeter hoch, die Blüten sind weiß bis rosenrot. Die Blütezeit dauert etwa sechs Wochen. 

Ernte

Geerntet wird mit Mähdreschern am Nachmittag, wenn der Buchweizen trocken ist. Danach wird der Had’n getrocknet, gereinigt und möglichst rasch weiterverarbeitet. Die Lagerung dauert maximal 24 Monate. 

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Jauntal

Das Jauntal ist das Had’n- Zentrum in Kärnten. Die Gemeinde Neuhaus mit ihren 1100 Einwohnern und zahlreiche andere Jauntaler Land- und Gastwirte kümmert sich darum, dass die Pflanze nicht vergessen wird. Seit 1997 gibt es den Verein „Wir laden zum Had’n“, deren Mitglieder sich unter Obmann Josef Hirm alle für Had’n begeistern.

Ertrag

Jauntaler Had’n wird auf rund 200 Hektar angebaut, auf einer Seehöhe von etwa 400 bis 450 Meter. Rund 15 Bauern produzieren den Jauntaler Had’n. Der jährliche Ertrag beträgt ca. 140 Tonnen, ist jedoch witterungsabhängig.

Gattung

Buchweizen ist kein Getreide, sondern ein enger Verwandter von Sauerampfer (Rumex acetosa) und Rhabarber (Rheum rhabarbarum). 

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Früchte

Buchweizen hat dreieckige Früchte mit einem einzigen Samen innerhalb einer harten Hülle. Die ungeschälten dunkelbraunen Früchte sind 4 bis 6 Millimeter lang und 3 Millimeter dick. 

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Vom Feld in die Flasche: Had’nwhisky aus Südkärnten

Schälen

Früher war das Schälen des Buchweizens eine gemeinschaftliche Arbeit. Die Menschen trampelten mit Holzschuhen („Tschoggl“, „Zoggl“) herum, um die Samen von der äußeren Hülle zu trennen.

Arzneipflanze

Buchweizen ist reich an Kalium, Eisen, Kalzium, Magnesium, Kieselsäure sowie an den Vitaminen B1, B2 und E. Das sehr hochwertige Eiweiß gilt als leicht verdaulich. 1999 wurde der Buchweizen als „Arzneipflanze des Jahres“ ausgezeichnet. 

Glutenfrei

Buchweizen ist glutenfrei und kann daher von Menschen mit Glutenunverträglichkeit gegessen werden. Wegen des fehlenden Glutens ist reiner Buchweizen allerdings zum Brotbacken nicht geeignet. 

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Had’nwirt

Wer Had’n in verschiedenen Varianten kosten möchte, ist beim „Had’nwirt Hafner“ richtig. In dem 200 Jahre alten Landgasthaus stehen Had’nkranznudel, Had’nravioli, Had’npalatschinken, Had’nwienerschnitzel oder Had’nspätzle auf der Karte. Berühmt ist die Had’ntorte, die mit Schlagobers und einer Mischung aus Preisel- und Himbeeren gefüllt wird.

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Kärntner Köstlichkeit: Had’nnudeln und Kärntner Nudeln auf einem Teller

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