La Réunion liegt mitten im Indischen Ozean und gehört politisch zu Frankreich. Doch die Insel folgt ihren ganz eigenen Regeln. Auf engstem Raum treffen gewaltige Vulkane auf tropische Wälder, tiefe Talkessel auf schroffe Küsten und französische Lebensart auf kreolische Kultur. La Réunion ist eine Insel der Kontraste: wild und eigenwillig, lebensfroh und weltoffen.
Vulkane, Vanille und verblüffende Vielfalt: 30 Fakten über La Réunion ♥ Lesezeit: 6 Minuten
1.
Lage
La Réunion liegt im Indischen Ozean, rund 750 Kilometer östlich von Madagaskar und 200 Kilometer südwestlich von Mauritius.
2.
Größe
Die Insel hat eine Fläche von rund 2.500 Quadratkilometern und mehr als 900.000 Einwohner und Einwohnerinnen.

3.
Die Maskarenen
La Réunion gehört zu den Maskarenen, einer Inselgruppe im Indischen Ozean. Dazu zählen neben La Réunion und Mauritius auch Rodrigues sowie die Cargados-Carajos-Inseln, eine Gruppe kleiner Koralleninseln und Riffe nordöstlich von Mauritius.
4.
Saint-Denis
Saint-Denis liegt im Norden von La Réunion und ist das wirtschaftliche und administrative Zentrum der Insel. Die Stadt verbindet französisches Flair mit kreolischer Architektur und einer bewegten Kolonialgeschichte.

5.
Kolonialzeit
Die Bevölkerung La Réunions ist durch unterschiedliche Herkunfts- und Kulturgeschichten geprägt. Afrikanische, madagassische, indische, chinesische und europäische Einflüsse haben das heutige Leben auf der Insel mitgestaltet. Diese Vielfalt zeigt sich in der kreolischen Kultur ebenso wie in den familiären Wurzeln vieler Réunionnais.
6.
Kreole
Der Begriff „Kreole“ hat sich im Laufe der Kolonialgeschichte gewandelt. Auf La Réunion bezeichnet er heute unter anderem die besondere kulturelle Identität der Insel, die durch unterschiedliche Herkunftsgeschichten, Sprachen und Traditionen geprägt ist. Das Wort gelangte über das Spanische aus dem Portugiesischen ins Französische. Seine sprachgeschichtliche Entwicklung ist eng mit der europäischen Kolonialgeschichte verbunden.

7.
Der längste Inlandsflug
Von Paris aus dauert ein Direktflug nach La Réunion ungefähr elf Stunden. Obwohl die Insel rund 9.400 Kilometer vom französischen Festland entfernt liegt, handelt es sich um eine innerfranzösische Verbindung: La Réunion ist ein französisches Übersee-Département. Der Flug von Paris nach La Réunion gilt deshalb als längste regelmäßig angebotene Inlandsflugverbindung der Welt.
8.
La Réunion und die Métropole
Seit 1946 ist La Réunion ein französisches Übersee-Département und damit Teil Frankreichs und der Europäischen Union. Die offizielle Währung ist der Euro. Das europäische Frankreich bezeichnen die Réunionnais häufig als „Métropole“ – als Gegenstück zu ihrer Heimatinsel im Indischen Ozean.

9.
Französisch und Réunion-Kreolisch
Französisch ist Amtssprache, Réunion-Kreolisch ist eine wichtige Alltagssprache. Die sprachliche Vielfalt spiegelt die Geschichte der Besiedlung und die verschiedenen kulturellen Einflüsse wider.
10.
Die Jahreszeiten auf La Réunion
Sommer und Winter sind gegenüber Europa umgekehrt. Die warme, feuchtere Periode liegt ungefähr zwischen November und April, der Südwinter ist tendenziell kühler und trockener.

11.
Die Entstehung der Insel
La Réunion entstand durch vulkanische Aktivität über einem Hotspot im Indischen Ozean. Die Insel ist geologisch vergleichsweise jung: Der Piton de la Fournaise bildete sich vor rund 530.000 Jahren. Der ältere Piton des Neiges schuf einen großen Teil der ursprünglichen Vulkanlandschaft, bevor Erosion und Einstürze die heutigen Talkessel formten.
12.
Der höchste Berg des Indischen Ozeans
Der Piton des Neiges ist mit rund 3.070 Metern der höchste Berg im Indischen Ozean. Sein Name bedeutet „Schneegipfel“, obwohl Schnee auf der tropischen Insel eine Seltenheit ist. Im August 2003 und im Oktober 2006 wurden tatsächlich Schneefälle in den Hochlagen registriert. Im Südwinter können die Temperaturen dort unter den Gefrierpunkt sinken.

13.
Die drei Vulkankessel
Weil vulkanische Strukturen einst einbrachen und anschließend durch Erosion und Erdrutsche verändert wurden, entstanden sogenannte „Calderen“: Vulkankessel, in deren Tiefen heute Dörfer sind. Die steilen Felswände, die diese Landschaft prägen, werden auf Französisch als „remparts“ bezeichnet. In den Talkesseln liegen zahlreiche Dörfer und kleine Bergweiler, auf La Réunion „îlets“ genannt. Dazu gehören etwa La Nouvelle im abgelegenen Mafate, Hell-Bourg im grünen Salazie und Îlet à Cordes bei Cilaos.

14.
Mafate
Der abgelegene Talkessel Mafate war ein wichtiger Zufluchtsort für Menschen, die der Sklaverei entkommen wollten. Auch die Herkunft des Namens ist Gegenstand verschiedener Deutungen. Eine Erklärung führt ihn auf das madagassische Wort mahafaty zurück, das sinngemäß „tödlich“ oder „der den Tod bringt“ bedeutet. Andere Überlieferungen stellen einen Zusammenhang mit übel riechenden Schwefelquellen her. Eindeutig geklärt ist die Namensherkunft nicht.
15.
Die kurvenreiche Straße nach Cilaos
Die Straße nach Cilaos schlängelt sich durch steiles Bergland und führt durch zahlreiche enge Kurven und Tunnel. Auf 40 Kilometer kommen hier 400 Kurven! Auch der Name des Talkessels hat eine interessante Geschichte: Er wird häufig auf das madagassische Wort tsilaosa zurückgeführt, das sinngemäß „der Ort, den man nicht verlässt“ bedeutet. Diese Erklärung ist allerdings nicht zweifelsfrei gesichert.

16.
UNESCO-Welterbe und Artenvielfalt
Die Landschaftsformation „Pitons, cirques et remparts de l’île de La Réunion“ wurde 2010 als Naturerbe anerkannt. Das Schutzgebiet umfasst rund 105.838 Hektar beziehungsweise etwa 40 Prozent der Insel. Es schützt unter anderem seltene Waldtypen und Lebensräume mit zahlreichen endemischen Arten.
17.
Île Bourbon
La Réunion trug früher den Namen Île Bourbon. Die Bezeichnung Bourbon-Vanille erinnert an die Geschichte des Vanilleanbaus im Indischen Ozean. Die Vanillepflanze selbst stammt ursprünglich aus Mittelamerika und wurde erst später in dieser Region kultiviert.

18.
Edmond Albius
1841 entwickelte Edmond Albius als Zwölfjähriger eine Methode zur künstlichen Bestäubung von Vanilleblüten. Seine Entdeckung machte es möglich, die Pflanze auch außerhalb ihrer natürlichen Bestäubungsbedingungen zuverlässig zur Bildung von Schoten zu bringen. Die Technik wird bis heute im Vanilleanbau eingesetzt und ist als „le geste d’Edmond“ bekannt.
19.
Das Trou de Fer
Im Osten von La Réunion liegt Trou de Fer, eine tief eingeschnittene Schlucht, in die mehrere Wasserfälle hinabstürzen. Die Wasserfälle überwinden zusammen einen Höhenunterschied von bis zu rund 725 Metern. Der schwer zugängliche Canyon ist von steilen Felswänden und üppiger Vegetation umgeben und zählt zu den eindrucksvollsten Naturlandschaften der Insel.
20.
Aussichtspunkt Piton Maïdo
Einen der schönsten Panoramablicke sieht man vom Aussichtspunkt Piton Maïdo, 2.190 Meter über dem Meeresspiegel.

21.
Der aktive Piton de la Fournaise
Der Piton de la Fournaise ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Für ihn werden durchschnittlich zwei bis drei Ausbrüche pro Jahr genannt, wobei die tatsächliche Häufigkeit schwankt. Bricht dieser aus, sagen die Réunionaisen „Le volcan il pète!“ – „Der Vulkan pupst!“
22.
Die große Verbrennung
Im Südosten von La Réunion liegt Le Grand Brûlé, eine von Lavaströmen geprägte Landschaft. Hier lässt sich nachvollziehen, wie der Piton de la Fournaise die Insel über lange Zeiträume hinweg verändert hat. „Le Grand Brûlé“ bedeutet übersetzt „die große Verbrennung“.

23.
Regenmengen
La Réunion hält mehrere Weltrekorde für Niederschläge über Zeiträume von zwölf Stunden bis zu 15 Tagen. Beim Zyklon Denise fielen 1966 an der Messstation Foc-Foc innerhalb von 24 Stunden 1.825 Millimeter Regen. Das entspricht 1.825 Litern Wasser pro Quadratmeter.
24.
Die Küste und der schwarze Vulkansand
La Réunion hat einen Küstenumfang von rund 200 Kilometern. An einigen Stränden findet sich schwarzer Sand vulkanischen Ursprungs, der sich bei starker Sonneneinstrahlung stark aufheizen kann.

25.
Warum man auf La Réunion nicht überall baden darf
La Réunion ist von einer teils rauen Küste umgeben. Strömungen, schroffe Lavaküsten und das Risiko von Hai-Begegnungen machen das Baden an vielen Stellen gefährlich. Sicherer ist es in ausgewiesenen Badebereichen und Lagunen, etwa bei L’Ermitage und La Saline-les-Bains an der Westküste. Auch dort gilt: Warnflaggen und örtliche Sicherheitsregeln unbedingt beachten, denn die Bedingungen können sich ändern.
26.
Cap Méchant
An der Südküste von La Réunion, in der Gemeinde Saint-Philippe, treffen schwarze Lavaklippen auf die kraftvolle Brandung des Indischen Ozeans. Die bizarren Felsformationen entstanden durch aufeinanderfolgende Lavaströme, die bis ans Meer reichten. Der Name Cap Méchant lässt sich sinngemäß als „böses“ oder „unwirtliches Kap“ verstehen und passt zur rauen Küste, an der die Wellen mit großer Wucht gegen das Gestein schlagen.

27.
Rund 200 Mikroklimata
Der réunionnaische Tourismusverband spricht von ungefähr 200 Mikroklimata. Die Kombination aus steilen Höhenunterschieden, Passatwinden und unterschiedlichen Niederschlagsmengen sorgt dafür, dass sich Wetter und Vegetation auf kurzen Distanzen stark verändern können.
28.
Insel für Frühaufsteher
Auf La Réunion lohnt es sich, früh aufzustehen: Während die Berggipfel am Morgen oft noch frei sind, bilden sich im Laufe des Vormittags durch die Erwärmung der Hänge Wolken, die am Nachmittag die Sicht versperren können. Wer wandern oder einen Aussichtspunkt besuchen möchte, sollte deshalb möglichst früh starten, um die besten Chancen auf freie Sicht zu haben.

29.
Endemische Tier- und Pflanzenarten
Zu den endemischen Arten gehören beispielsweise der Manapany-Taggecko und der Tamarin des Hauts, eine auf den Inselhochlagen heimische Baumart. Die isolierte Lage und die unterschiedlichen Lebensräume begünstigen eine besondere Artenvielfalt.
30.
Buckelwale vor La Réunion
Buckelwale wandern aus antarktischen Gewässern in den Indischen Ozean. Vor La Réunion sind sie insbesondere im südlichen Winter, ungefähr von Juni bis Oktober, anzutreffen. Die warmen Gewässer dienen unter anderem der Fortpflanzung und der Geburt ihrer Jungen. Vor La Réunion wurden mindestens 25 Wal- und Delfinarten identifiziert.


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