Im äußersten Nordosten Bayerns, wo Franken, Thüringen und Sachsen aufeinandertreffen, liegt Hof zwischen dem Fichtelgebirge und dem Frankenwald. „In Bayern ganz oben“ sagen die Menschen hier gerne über ihre Heimat. Hof lockt mit schönster Biedermeier-Architektur, fränkischem Charme und einer bewegten Geschichte als Grenzstadt während der deutschen Teilung.
„In Bayern ganz oben“: Die schönsten Highlights in Hof ♥ Lesezeit: 8 Minuten
Ein schrilles Pfeifen, und der Zug fährt ab. Links erstreckt sich ein Container-Terminal, rechts überspannt eine Fußgängerbrücke die Schienen. Dazwischen verteilen sich Menschen wie kleine Punkte auf den Gleisen, die auf die Abfahrt ihres Zuges warten oder gerade angekommen sind in Hof. Ganz im Norden Oberfrankens gelegen, leben rund 49.000 Menschen in der Stadt zwischen Fichtelgebirge und Frankenwald. Die Geschichte der Stadt ist groß. Und lässt sich besonders gut am Hauptbahnhof erzählen. Denn zwischen Containern und Industrie liegt hier ein großes Stück Hofer Vergangenheit.

Als der Hofer Bahnhof 1880 eröffnet wurde, war er ein Grenzbahnhof zwischen den Königreichen Bayern und Sachsen. Heute ist er ein wichtiger Eisenbahnknoten zwischen Bayern, Thüringen, Sachsen und dem Nachbarland Tschechien. Die historische Bahnhofshalle aus der Frühzeit der Eisenbahn wurde zum Schmuckstück mit Geschichte: Durch den prächtigen Innenraum verlief einst die Grenze Bayern-Sachsen. Noch heute bezaubert der zentrale Saal mit Parkettboden, Stuckdecke und Deckenfenster.
Bahnhof Hof: Grenzbahnhof mit Geschichte
Die Position als Grenzbahnhof wiederholte sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Hof war während der deutschen Teilung nicht nur geografisch „ganz oben in Bayern“, sondern auch eine Grenzstadt am Rand der Bundesrepublik, nur wenige Kilometer von der innerdeutschen Grenze entfernt. Von 1945 bis 1990 wurde eine neue Grenze gezogen, diesmal zwischen der Sowjetischen Besatzungszone der DDR und der Amerikanischen Besatzungszone der Bundesrepublik. Hof galt als „Endstation West“: Viele Verkehrswege endeten hier.



Im Jahr 1989 wurde am Hofer Bahnhof Geschichte geschrieben, als im Herbst Züge mit Tausenden DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft ankamen. Heute erinnert ein Denkmal am hinteren Ausgang des Bahnhofes an jene prägende Zeit. Es soll an den „Mut und das Durchhaltevermögen der Menschen“ erinnern, die einen „Meilenstein zur Überwindung der Deutschen Teilung“ darstellten.
Bahnhofsviertel aus der Gründerzeit
Keine Frage: Schon bei der Ankunft in Hof ist die Geschichte der Stadt spür- und sichtbar. Wer aus dem Bahnhofsgebäude tritt und Richtung Innenstadt läuft, landet direkt im Bahnhofsviertel, das in den 1880er-Jahren entstand. Ein Großteil der Bebauung wurde in der Gründerzeit errichtet, weshalb man auch vom Gründerzeitviertel spricht. Einst lebten vor allem Arbeiter der vielen Hofer Fabriken hier, heute ist das Bahnhofsviertel ein kreativer Stadtteil, in dem sich viele Kulturschaffende angesiedelt haben. Das Flair wird gerne mit Berlin-Kreuzberg verglichen.






Mit der Entwicklung des Hofer Bahnhofsviertels entstand ein Stadtquartier, in dessen Mitte der Wittelsbacher Park einen ruhigen Gegenpol bildete. Er entstand im Jahr 1910 aus dem ehemaligen Sophienberger Friedhof und weist mit seinen Denkmälern auf einige wichtige Punkte der Geschichte Hofs hin. Unter anderem die Bronzeplastik eines Sämanns, der mit Totentafeln an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnert, oder der Obelisk mit Hinweis auf den Krieg von 1870/71. Sehenswert ist auch das Neurenaissancegebäude der Sophienschule.
Aushängeschild der Stadt: Hofer Filmtage
Nur wenige Schritte weiter geht in der Wörthstraße die Gründerzeit-Atmosphäre des Bahnhofsviertels in die Filmgeschichte Hofs über. Hof ist bekannt für seine kreative Szene, Kunst und Kultur haben einen großen Stellenwert. Das Aushängeschild der Stadt sind ganz klar die „Internationalen Hofer Filmtage“. Das Filmfestival wurde 1967 vom Regisseur Heinz Badewitz gegründet und gilt als Festival der Neuentdeckungen, insbesondere für deutsche Nachwuchsregisseur:innen. Für die Entdeckung neuer Talente gelten die Filmtage nach Berlin als wichtigstes Filmfest im deutschsprachigen Raum.

Viel Geschichte zeigt das „Scala-Kino“ in der Wörthstraße: Es wurde 1929 erbaut und ist zusammen mit dem „Central-Kino“ fester Bestandteil der Hofer Filmtage. Zumindest war es das. Die 59. Ausgabe des renommierten Filmfestivals im Oktober 2025 musste auf das „Scala-Kino“ verzichten. Es hatte schon vorher den regelmäßigen Kinobetrieb eingestellt und wird auch die Jubiläumsauflage der Internationalen Hofer Filmtage 2026 nicht mehr begleiten.



Highlights in Hof: St.-Lorenz-Hügel
Wo die Wörthstraße endet, beginnt die leicht ansteigende Lorenzstraße. Hier zeigt sich die historische Seite Hofs: Der St.-Lorenz-Hügel ist der älteste Siedlungskern der Stadt. Das Herz des Hügels ist die Lorenzkirche, die schon im Jahr 1214 erstmals urkundlich erwähnt wurde, sie soll jedoch schon 1080 erbaut worden sein. Heute gilt sie als älteste Kirche der Stadt und als Mutterkirche der Region.





Gegenüber der Lorenzkirche erzählt auch die Inkurabel eine spannende Geschichte. Zu früheren Zeiten war hier der Pfarrhof, den man sich als groß und vornehm wie einen adeligen Sitz vorstellen darf. Der heutige stattliche Bau aus dem 18. Jahrhundert war einst Waisenhaus, Stadtkrankenhaus, Choleraspital und Pflegeanstalt für unheilbar Kranke. So entstand auch der Name: Aus der „Incurabelanstalt“ leitet sich der bis heute gebräuchliche Name „Inkurabel“ ab.



Das dahinterliegende Biengässchen ergänzt die Geschichte: Das mittelhochdeutsche Wort „bien“ bedeutet Gebeine, die Gasse hieß wohl ursprünglich „Beingässchen“. Man vermutet, dass der Name auf den früheren Friedhof bei der St.-Lorenz-Kirche zurückgeht.
Highlights in Hof: Altstadt
Über die Lorenzstraße geht es in die Hofer Altstadt. Der Name trügt allerdings: Die Fußgängerzone, die sogenannte Altstadt, ist eigentlich der neuere Teil der Hofer Innenstadt. Obwohl älter als die um 1230 gegründete Stadt Hof (Hofer Neustadt), kam sie erst nach Eingliederung von Hof in das Königreich Bayern im Jahr 1810 zum heutigen Stadtgebiet und war bis dahin eine eigene dörfliche Siedlung, die von der Landwirtschaft lebte. Die breite Fußgängerzone ist gesäumt von Geschäften und Cafés und gilt als die wichtigste Flaniermeile der Stadt.





Hier treffen unterschiedlichste Architekturstile aufeinander: Geschäftshäuser aus der Gründerzeit, spätere Nachkriegsbauten und beeindruckende historische Fassaden. Besonders sehenswert ist der Bereich rund um das „Central-Kino“. Das traditionsreiche Filmtheater gehört bis heute zu den wichtigen Spielorten der Internationalen Hofer Filmtage und ist umgeben von prächtigen Fassaden.






Highlights in Hof: St.-Marien-Kirche
Besonders ist die Lage der Altstadt zwischen den großen Kirchen: Die Lorenzkirche mit ihrem vermuteten Ursprung im späten 11. Jahrhundert erinnert an die mittelalterlichen Wurzeln Hofs, während die St.-Marien-Kirche zwischen 1864 und 1877 im neugotischen Stil errichtet wurde. Die katholische Hauptkirche Hofs ist nicht zu übersehen: Ihre beiden rund 65 Meter hohen Türme prägen bis heute das Stadtbild. Die Kirche entstand nach Plänen des Regensburger Dombaumeisters Johann von Denzinger.

Nachdem im Zuge der Reformation das katholische Leben um 1529 immer geringer wurde, dauerte es bis 1810, dass eine Kirche benötigt wurde. Damals kam Hof zusammen mit der Markgrafschaft Bayreuth zu Bayern und immer mehr Katholiken ließen sich in der Region nieder. So entstand die St.-Marien-Kirche zwischen 1864 und 1877. Eine Besonderheit ist ihr geschlossenes neugotisches Gesamtkunstwerk, außen wie innen. Deshalb stehen die Marienkirche und ihr Inventar unter Denkmalschutz. Auch die Orgel gehört dazu: Das Instrument der Orgelbaufirma Steinmeyer aus dem Jahr 1885 zählt zu den wenigen historischen Instrumenten des Orgelbaus der deutschen Romantik.



Highlights in Hof: Oberes Tor
Am Ende der Fußgängerzone liegt das Obere Tor. Das mittelalterliche Stadttor von einst gibt es zwar nicht mehr, der Platz erinnert aber an jene Zeit, als hier der südliche Zugang zur befestigten Stadt lag. Erst 2023 wurde der neu gestaltete Obere Torplatz eingeweiht, der einen fließenden Übergang zwischen Altstadt und Ludwigstraße ermöglicht. Ein architektonisches Highlight ist das ehemalige Verlagshaus des Hofer Anzeigers. Der Bau mit der auffälligen Sandsteinfassade entstand im Jahr 1893, als die traditionsreiche Zeitung ihren Sitz vom Maxplatz hierher verlegte.



Von der Altstadt her kommend, begegnet man kurz nach dem Oberen Tor einem echten Stück Hofer Identität: einem Wärschtlamo. An der Ecke zum Jean-Paul-Gässchen liegt einer der traditionsreichen Wärschtlamo-Plätze. „Wärscht“ meint im Dialekt die Wurst, „Mo“ einen Mann. Seit mehr als 150 Jahren gehören die mobilen Wurstverkäufer mit ihren dampfenden Messingkesseln zum Hofer Stadtbild. Heute gibt es in der Regel fünf Wärschtlamänner, die die Hofer Wärscht verkaufen: „Wienerla“, „Gnagger“, „Bauern“ oder „Weisa“. Legendär sind die Messingkessel, die seit 1871 den Wurstsud mittels Kohlenglut warm halten und noch heute, ausgekleidet mit lebensmittelechtem Zinn, für jeden Wärschtlamo individuell gefertigt werden.



Highlights in Hof: Neustadt
Frisch gestärkt braucht es dann nur wenige Schritte, bis der Kern der Neustadt erreicht ist. Hinter dem Oberen Tor beginnt der Teil der Hofer Innenstadt, der um das Jahr 1230 als Stadt mit Stadtbefestigung entstand und seit 1319 Stadtrechtsprivilegien besitzt. Sie wurde als langgestreckte Straßenstadt angelegt und verlief auf einer Achse zwischen dem Oberen Tor im Süden und dem Unteren Tor im Norden. Die Hauptachse bildet die Ludwigstraße. Hier befanden sich Markt, Handelshäuser und die wichtigsten öffentlichen Gebäude.






Historisch betrachtet bestand Hof lange aus zwei rechtlich getrennten Orten: der dörflich geprägten Altstadt rund um den St.-Lorenz-Hügel und der Neustadt als planmäßig angelegte Stadt. Erst im Jahr 1811 wurden Altstadt und Neustadt zu einer gemeinsamen Stadt vereinigt.
Highlights in Hof: Ludwigstraße
Eine Besonderheit bieten die Ludwigstraße und ihre Seitenstraßen: Sie weisen ein nahezu komplettes Biedermeier-Ensemble auf. Dieses architektonische Wunder verdankt die Stadt jedoch einem Unglück. Im Jahr 1823 gab es einen großen Stadtbrand, der weite Teile der Hofer Neustadt zerstörte. Beim Wiederaufbau entstanden die klassizistischen und biedermeierlichen Bürgerhäuser. Typisch sind schlichte, harmonische Fassaden mit regelmäßigen Fenstern, dezentem Schmuck und klaren Proportionen.

Wer durch die Neustadt schlendert, sollte genau hinschauen. Oft zeigen die Häuser erst auf den zweiten Blick ihre Schönheit. Da eine besonders schmucke Biedermeierfassade über einem Schaufenster, dort eine elegante Haustür mit Sandsteinportalen. Dieses besondere Stück Architektur zählt zu den schönsten Beispielen der Biedermeierarchitektur in ganz Bayern.



Highlights in Hof: Karolinenstraße
Von der Ludwigstraße lohnt sich ein Abstecher in die Karolinenstraße, eine ruhige Parallelstraße. Die Ludwigstraße blieb nach dem großen Stadtbrand die repräsentative Hauptstraße, in der Karolinenstraße entstanden Wohnhäuser, Handwerksbetriebe und kleine Läden. Bis zum Jahr 1933 befanden sich hier auch mehrere jüdische Geschäfte und Kaufhäuser.

Noch heute ist die Karolinenstraße geprägt von schlichten Bürgerhäusern mit hellen Putzfassaden, Sandsteingewänden und regelmäßig gegliederten Fensterachsen. Viele sagen, dass die Karolinenstraße fotografisch zu den schönsten Straßen Hofs zählt. Zudem ist sie deutlich ruhiger als die Ludwigstraße, sodass der Spaziergang entlang der Biedermeierfassaden besonders entspannt gelingt.





Highlights in Hof: Rathaus
Das Herzstück der Ludwigstraße ist das neugotische Rathaus und der 32 Meter hohe Rathausturm mit seiner auffälligen Zwiebelhaube. Das Gebäude entstand zwischen 1563 und 1566 und hatte im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Funktionen: Es war Sitz der Stadtverwaltung, Gerichtsgebäude, Markthalle und Handelsplatz. Im Erdgeschoss befanden sich Verkaufsstände der Bäcker und Handwerker, auf dem Platz davor fanden Märkte statt.




Das Hofer Rathaus gilt als eines der bedeutendsten Renaissance-Rathäuser Oberfrankens. Nach dem Stadtbrand 1823 erhielt es seine heutige neugotische Fassade. Wer will, erklimmt den Rathausturm und guckt sich Hof von oben an. 152 Stufen führen zu einem tollen Blick über die Dächer Hofs und weit ins Hofer Land. Oben schlägt seit jeher die Turmuhr, die lange Zeit die wichtigste öffentliche Zeitangabe für die Menschen in Hof war.
Highlights in Hof: Michaeliskirche
Direkt neben dem Rathaus thront die St.-Michaelis-Kirche, die wichtigste evangelische Kirche Hofs. Ihre Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als die Neustadt eine neue Pfarrkirche benötigte. So wurde die Michaeliskirche zum geistlichen Zentrum des neuen Stadtteils. Ihr heutiges Erscheinungsbild verbindet gotische und neugotische Elemente miteinander. Der 80 Meter hohe Turm ist von Weitem sichtbar und prägt seit jeher die Hofer Innenstadt.




Im Inneren beeindruckt die Michaeliskirche mit ihrem hellen Kirchenraum und der Heidenreich-Orgel, gebaut in den Jahren 1828 bis 1834 von den Gebrüdern Heidenreich aus Hof. Sie gilt als eine der klangschönsten in Bayern.
Genussort Hof: Hofer Wochenmarkt
Vor der Michaeliskirche liegt der Maxplatz, der seit Jahrhunderten das wirtschaftliche Zentrum der Neustadt ist. Früher als Handelsplatz, heute als Marktplatz. Hier findet zwei Mal pro Woche, immer mittwochs und samstags, der Hofer Wochenmarkt statt, auf dem Händler aus der Region frisches Obst und Gemüse, Käse, Wurst, Backwaren und Spezialitäten aus dem Hofer Land verkaufen.

Das passt gut, denn Kulinarik ist ein großes Thema in Hof. Hier dreht sich vieles um Genuss. Kein Wunder, schließlich gibt es in Oberfranken die größte Brauerei-, Bäckerei- und Metzgereidichte der Welt. Am besten lässt sich die fränkische Küche bei einer kulinarischen Stadtführung entdecken, die am Rathausbrunnen startet: mit regionalen Kostproben, spannenden Geschichten und Einblicken in die Genusskultur der Region.






Wer noch etwas Zeit mitbringt, kann den Rundgang über den Maxplatz hinaus fortsetzen. Nördlich der Neustadt erzählen die Hospitalkirche und der Bereich des einstigen Unteren Tors von der mittelalterlichen Stadtbefestigung und der Geschichte des alten Hospitalviertels.

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