Der Frankenwald ist von dichten Wäldern geprägt, dazwischen ziehen Bäche und Flüsse wie zarte Linien durch die Mittelgebirgslandschaft. Das Wasser gab seit jeher den Weg vor: Schon im Mittelalter versorgten die Frankenwald-Flößer das Main- und Rheingebiet mit Bauholz. Auf der Wilden Rodach lebt diese Tradition bis heute: Wer will, saust wie die Flößer von einst auf Baumstämmen talwärts.

Flößerei im Frankenwald: Wasser, Wehre und wilde Kerle ♥ Lesezeit: 10 Minuten
Das Wasser wirkt, als würde es tief Luft holen. Die Oberfläche liegt spiegelglatt im Sonnenschein, doch unter dem Blau der Wilden Rodach lauert Spannung. Fast so, als wüsste der Fluss, was gleich geschieht. Noch staut das Schnappenhammerwehr in Wallenfels das Wasser, auf dem ein gutes Dutzend Flöße schaukeln. Dicke Holzstämme, 16 Meter lang, zwei Meter breit, in der Mitte ein Sitzbalken mit Platz für rund 20 Personen. Alle Blicke gehen nach vorne, wo die Kraft des Flusses noch von Holzbalken gebremst wird.





Dann brechen alle Dämme. Wortwörtlich. Ein Holzbalken nach dem anderen geht nach oben, das Wehr steht offen. Ein Stoß, ein Schwappen, ein Schrei: „In Gott‘s Noma!“ Das Wasser schießt mit voller Wucht durch das Stauwehr, hinterher saust das erste Floß die Wilde Rodach hinunter. Mit Gekreische, Getöse und Gelächter, denn die erste Bugwelle erwischt die Floßgruppe mit voller Wucht. Alles unterhalb des Halses ist durchnässt. Ein eisiges Vergnügen, das binnen weniger Sekunden für einen Adrenalinkick sorgt: das kalte Wasser, der reißende Fluss, der freie Fall auf dem Floß. Genau das macht die Floßfahrten auf der Wilden Rodach aus. Wer trocken ans Ziel kommt, war nicht dabei.
Flößerei im Frankenwald: Im Tal der Wilden Rodach
Wenn die Floßfahrten auf der Wilden Rodach starten, ist das jedes Jahr ein einzigartiges Spektakel in Wallenfels. Jeden Samstag von Mai bis September legen an der Floßlände Schnappenhammer bis zu 25 Holzflöße ab und nehmen Kurs auf die etwa fünf Kilometer lange Strecke, durch insgesamt sechs Wehre bis zum Ziel beim Flößerhaus in Wallenfels. Der kleine Ort im Frankenwald ist seit jeher bekannt als Flößerstadt. Wenn die Flöße durch das enge Tal der Wilden Rodach gleiten, ist ein großes Stück Tradition an Bord.




Über Jahrhunderte hinweg flößten die Wallenfelser Holz aus dem Frankenwald über die Rodach, den Main und den Rhein bis in die holzarme Niederlande nach Dordrecht, Rotterdam und Amsterdam. Noch heute erzählt man sich stolz, dass die niederländische Hauptstadt teils auf Holzpfählen aus dem Frankenwald gebaut wurde. Der Waldreichtum steckt schon im Namen: Der Frankenwald ist von dichten Wäldern geprägt, dazwischen ziehen sich klare Bäche und rauschende Flüsse wie zarte Linien durch das üppige Grün.




Frankenwald: Waren auf dem Wasser
Die Flößerei im Frankenwald wurde 1386 erstmals urkundlich erwähnt. Der Waldreichtum und die vielen Wasserläufe bestimmten die Existenz zahlreicher Familien in der damals kargen Region. Ganze Landstriche lebten von dem Holz aus den Wäldern, vom bettelarmen Floßknecht bis zu reichen Floßherren, Mühlen- und Waldbesitzern. Zwischen ihrem Lohn lagen Welten, nur das Ziel war dasselbe: die wertvollen Baumstämme aus dem Frankenwald in die Welt zu transportieren. Im 12. Jahrhundert entstanden erste Ideen, das Holz auf natürlichen Wasserwege aus den unwegsamen Waldgebieten zu flößen.





Das veränderte die Landschaft. Um die Flößerei unabhängig vom saisonalen Wasserstand zu machen, wurden Wasserläufe begradigt, Wehre und Floßkanäle angelegt und die Ufer befestigt. Teile dieses einzigartigen Floßsystems stehen heute unter Denkmalschutz. Im Frankenwald nutzte man ab dem 16. Jahrhundert auch Floßteiche, um Wasser anzusammeln. Denn in keinem der Flüsse und Nebenflüsse war der Wasserstand so hoch, dass das Flößen ohne zusätzliches Wasser möglich war. Im Frühjahr zur Schneeschmelze konnte das Holz mit dem aufgestauten Wasser talabwärts transportiert werden. Die Flüsse der Region wurden zur Lebensader, die Flößerei zum Haupterwerb. Ab dem Mittelalter versorgten die Frankenwald-Flößer das Main- und Rheingebiet mit Bauholz.

Flößerei im Frankenwald: Wilde Kerle
Der Alltag der Flößer war hart, die Männer galten als wilde Kerle. Vor jeder Reise baten sie mit dem Ruf „In Gott‘s Noma!“ um Gottes Beistand. Und noch heute schreit jeder Flößer auf der Wilden Rodach diesen Satz, ehe er seinen Flößerhaken ins Wasser sticht und mit Touristen und Einheimischen auf Fahrt geht. „Die erste Wehrdurchfahrt ist immer etwas Besonderes“, sagt Bürgermeister Jens Korn. „Die Wallenfelser sind stolz auf ihre Traditionen. Jeder hat jemanden in der Familie, der mit der Flößerei zu tun hat“.




Er selbst geht nicht aufs Floß – „da bin ich ein Weichei“ sagt er lachend – hat aber im Nu eine Anekdote und ein Foto parat. „Mein Großvater und Urgroßvater waren Teil jener Flößer, die das Holz aus dem Frankenwald in die Welt gebracht haben.“ Er deutet auf einen weiteren Mann auf dem Schwarz-weiß-Foto: „Und der hier hat alle um ihren Lohn betrogen“. Auch das war der Alltag der Flößer. Sicherheit gab es keine, Gefahr war ein Begleiter bei der wochenlangen Reise, die Mut, Geschick und Muskelkraft erforderte.
Start der Flößerei: „Es hot Freiwasse!“
Das erklärt vielleicht ihren Ruf. Rau und urwüchsig sollen die Flößer gewesen sein. Kräftig und tapfer, aber auch stur, verschlossen – und trinkfest. Tarifvertraglich standen ihnen täglich fünf Liter Bier zu. Noch heute erzählt man in Wallenfels eine Anekdote. Als die Floßknechte einmal mit Milch statt mit Bier verköstigt wurden, sollen sie vor Gericht gezogen sein – mit Erfolg. Manchmal war die größte Gefahr der Flößer selbst: Es heißt, dass viele Männer auf dem langen Rückweg ihren Lohn in Alkohol investiert haben.

Beim Blick auf den knochenharten Broterwerb ist das aber auch irgendwie nachvollziehbar. Im Frühjahr hieß es alljährlich „Es hot Freiwasse!“ Gemeint war damit, dass der Wasserstand nun hoch genug war, um die Wehre öffnen zu können. In der Floßordnung Oberfranken aus dem 1844 heißt es: „Freiwasser ist derjenige große Wasserstand, wo die Wöhrde offen stehen müssen, und wo geflößt wird, ohne das Schützen der Wöhrde zu bedürfen.“

Flößerei im Frankenwald: Schwimmende Dörfer
Von den Schneidmühlen ging das Holz auf die Reise. Acht bis zehn Stämme wurden zu sogenannten „Boden“ aneinandergereiht, fest miteinander verbunden, und über 200 Kilometer nach Mainz transportiert. Hier war der Fluss breit genug und die Verwandlung begann: Die „Boden“ wurden zu schwimmenden Dörfern. Mehrere Dutzende Flöße wurden zu „Rheinfloßen“ zusammengestellt, mit Ausmaßen von etwa 80 mal 400 Metern und 4.000 Festmeter Holz. So schwamm fast ein ganzer Wald auf dem Rhein.





Der Alltag auf dem Wasser war brutal. Tagsüber die harte Kärrnerarbeit des Flößens, anschließend eine unruhige Nacht in der Floßbude auf teils reißenden Flüssen. Die Flößer schliefen in hölzernen Hütten auf den zusammengenagelten Holzstämmen. Mit an Bord ein karges Mal, das für Wochen reichen musste. Ein paar Laibe Brot, gepökeltes Fleisch, Kochkäse. Alles verstaut in Tonkrügen, damit das Essen haltbarer blieb.
Flößergemeinschaft Wallenfels
Die gewerbliche Flößerei gibt es im Frankenwald heute nicht mehr. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts lösten neue Transportmöglichkeiten auf Schienen und Straßen die Flößerei ab. Die Tradition ist aber erhalten geblieben und mit ihr auch der Stolz der Flößer und ihrer Familien auf ihre Wurzeln. Seit Ende der 1970er Jahre gibt es die touristischen Floßfahrten, initiiert von der Flößergemeinschaft Wallenfels.

Der Verein wurde 1982 gegründet, heute hat die Flößergemeinschaft Wallenfels rund 180 Mitglieder, von denen ein Drittel als engagierte Ehrenamtler aktiv sind. Für jede Floßfahrt auf der Wilden Rodach sind 40 bis 50 von ihnen im Einsatz. Das machen sie aus Leidenschaft und Liebe zur Tradition. Der Lohn für den wilden Ritt auf dem Wasser ist eine Brotzeit mit Freibier im „Flößerkeller“, den sie als Art Vereinshaus nutzen dürfen. Nach der Floßfahrt stehen sie vor dem Eingang und stoßen auf eine erfolgreiche Fahrt an. „Ein Feuedunnekeil unserem Herrgott“ für eine unfallfreie Fahrt heißt es dann.

Wallenfels: Tradition über Generationen
Das Flößerlatein wird über Generationen weitergegeben. Da stehen kantige Männer mit schlohweißen Haaren neben kleinen Zwergen, die stolz versuchen, mit Flößerhaken in der Hand nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Die Urgesteine geben ihr Wissen weiter, der Nachwuchs steht parat. Als junge Männer lernen sie dann von den erfahrenen Flößern das Handwerk. „Es braucht zwei bis drei Jahre Übung“, erklärt Andreas Weiß, der Vorsitzende der Flößergemeinschaft Wallenfels. „Da geht es nicht nur darum, das Flößen zu lernen, sondern auch den Verlauf des Flusses mit all seinen Eigenheiten zu kennen“. Ein junger Flößer gesteht, dass er anfangs zwei Mal nach dem Ritt durch ein Stauwehr hingefallen ist. „Die Kollegen haben mich ein halbes Jahr lang ‚Schildkröte‘ genannt!“

Familie geht über in Freundschaft, die Gemeinschaft ist eng, der Humor groß. Viele haben Großväter, Urgroßväter und Ururgroßväter, die die Flößerei einst als Broterwerb betrieben. Das schweißt zusammen. Auch die Arbeit mit den Holzstämmen. Die Flöße werden von der Flößergemeinschaft selbst gebaut, alle paar Jahre neu. Nicht nur in Wallenfels, auch Flößergemeinschaften in Unterrodach, Friesen oder Neuses halten dieses Erbe hoch. Wem die Fahrt auf der Wilden Rodach zu abenteuerlich ist, der kann es auch ruhiger angehen und eine Floßfahrt auf der Rodach bei Neuses mitmachen. Von Mai bis Ende August legt man hier immer donnerstags mit dem Floß ab. Ganz ohne nass zu werden.

Flößerei im Frankenwald: Flößermuseum Unterrodach
Wer noch tiefer in die Geschichte eintauchen will, sollte nach Unterrodach fahren. Auch das kleine Dorf im Tal der Rodach ist von der Flößerei geprägt. Im Jahr 1829 verzeichnete die Dorfchronik von 159 berufstätigen Männern 148 Flößer. Das Erbe ist allgegenwärtig. Heute lockt das „Flößermuseum Unterrodach“ viele Besucher an, die sich ein genaues Bild von der Flößerei machen wollen.

Das Museum befindet sich im historischen Haus eines ehemaligen Floßherren. Die Bausubstanz reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Schon im Jahr 1968 gründeten die einstigen Flößer des Dorfes das Museum, 1981 wurde der Floßverein Unterrodach wieder aktiviert, der bereits 1864 gegründet worden war. Heute betreuen die Mitglieder das Museum, das in zehn Räumen die Geschichte des Flößereigewerbes und die harte und gefährliche Arbeitswelt der Flößer erzählt.





Von Floßmeistern und Floßknechten
Hubert Dietl ist einer von ihnen. „Die Flößer waren zähe, hart arbeitende Burschen“, sagt er. „Floßmeister und Floßknechte legten mit dem Floß teils tausende Kilometer zurück.“ Seine Augen leuchten, wenn er die zahlreichen historischen Fotos, Modelle und Werkzeuge erklärt, die den Alltag der Flößer veranschaulichen. Jeder Raum erzählt eine andere Geschichte, vom Floßbau und der Technik dahinter über den Handel und Zölle auf dem Wasser bis zum Ende des Berufsstandes.






Hubert Dietl kennt jede Einzelheit. Er deutet auf verschiedene Floßtypen, vom einfachen Floß wie es bei der Floßfahrt auf der Wilden Rodach zum Einsatz kommt bis hin zu den gigantischen Rheinfloßen, die wie schwimmende Dörfer über das Wasser glitten. „Wir sprechen da von Flößen mit einer Länge von 300 bis 600 Metern und einer Besatzung von 500 Personen“. Das „Flößermuseum Unterrodach“ hat von April bis Oktober immer Samstag und Sonntag von 14.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.






Flößerei im Frankenwald: Teichmühle in Steinwiesen
Die Kraft des Wassers schickte aber nicht nur die Flößer in die Welt. An Schleusen angestaut, wurde die Wucht des Wassers im Oberen Rodachtal auch gezielt genutzt, um Mühlen anzutreiben. Einst gab es über 150 Mühlen im Landkreis. Alles war ein Kreislauf: Die Flößer benötigten das Stauwasser der Mühle für ihre Weiterfahrt, der Schneidmüller wiederum brauchte die Flößer, damit sie seine Produkte beförderten.

In Steinwiesen, umgeben von weiten Wiesen und Wäldern, steht eine Mühle, als sei keine Zeit vergangen. Die Teichmühle ist eine der letzten Sägemühlen im Frankenwald, die heute noch in Betrieb ist. Das historische Gebäude wurde 1507 erstmals erwähnt und steht unter Denkmalschutz. Der „Mühlenverein Rodachtal“ hat der Teichmühle ein neues Leben eingehaucht, deshalb ist sie als Museumsmühle öffentlich zugänglich. Führungen finden immer sonntags um 14.15 Uhr, 15.00 Uhr und 16.00 Uhr statt.





Kostbare Museumsmühle
Sogar der Schneidbetrieb wird aufrecht erhalten. Die Mitglieder des Mühlenverein zeigen Besuchern, wie das Schneiden der Blöcher einst aussah. Die Frankenwäldler nannten die unbearbeitete Baumstämme, die vom Wald zur Schneidmühle kamen, „Blöcher“. Heute gleiten die mächtigen Stämme mit Getöse durch das über 140 Jahre alte königlich-bayerische Eisenvollgatter, heraus kommen schnittige Vierkanthölzer. Angetrieben wird die Mühle von einem eisernen Wasserrad mit gebogenen Schaufeln, das eine Leistung von sechs bis sieben PS erbringt. Es ersetzt seit 1951 das hölzerne Mühlrad.





Das angebaute Wohnhaus, in dem einst die Müllersfamilie lebte, ist Teil der Museumsmühle. Auch auf dem Gelände gibt es viel zu sehen: vom Mühlgraben über das Nadelwehr bis hin zum Wellenbaum aus Eichenholz. Eine Besonderheit ist ein nachgebautes Bretterfloß. Es ist das einzige in ganz Nordbayern und erinnert an die Bauweise der Flöße von einst: Zwischen 1800 und 1900 wurde fast die Hälfte des Holzes als Bretterflöße an den Main gebracht.




Flößerei im Frankenwald: Alte Schneidmühle in Stadtsteinach
Auch am Eingang zum Steinachtal bei Stadtsteinach, einem der romantischsten Täler des Frankenwaldes, dreht sich alles um Holzverarbeitung, Schneidvorführungen und die historische Flößerei in der Region. Umgeben vom rauschenden Wasser der Steinach und dichten Wäldern erzählt die „Alte Schneidmühle“ ein großes Stück Geschichte.

Die „Alte Schneidmühle“ wurde in den Jahren 1867/68 erbaut und gehört zu den bekanntesten technischen Denkmälern im Frankenwald. 130 Jahre leistete sie ihren Dienst, ehe sie im Jahr 1980 stillgelegt wurde. Zunächst sah die Zukunft nicht rosig aus. Doch dann kam die Fachhochschule Düsseldorf ins Spiel: Eine ambitionierte Studentengruppe renovierte nach historischen Vorbildern die Mühle und schenkte ihr so ein zweites Leben. Dabei orientierten sich die Studierenden am ursprünglichen Zustand der Mühle aus dem 19. Jahrhundert.




Historische Mühle
Heute ist die Anlage wieder funktionsfähig und die Schneidmühle wird regelmäßig in Betrieb genommen. Urlauber staunen bei Schneidvorführungen darüber, wie eine Truppe junger Schneidmüller mit der historischen Gattersäge Blöcher in Balken und Bretter verwandeln. Dabei wird ein Baumstamm durch mehrere senkreche Sägeblätter geführt. Diese Technik war im 19. Jahrhundert typisch im Frankenwald.







Die junger Schneidmüller stehen an der Gattersäge, als hätten sie nie etwas anderes getan. Bei ihrer Arbeit wirken sie fast, als seien sie durch die Zeit gepurzelt. Denn die ursprüngliche Ausstattung der Mühle ist noch heute erhalten und sie arbeiten zwischen Hobelbänken, Sägetischen, Schreibpulten, Schrenkschemeln und Kleinwerkzeuge aus vergangenen Zeiten. Die Schneidmühle in Stadtsteinach ist grundsätzlich frei zugänglich, Führungen und Schneidvorführungen sind auf Anfrage möglich.






Flößerei im Frankenwald: Flößerwegla Wallenfels
Zurück in Wallenfels geht es zu Fuß weiter, aber natürlich auch am Wasser. Rund um das Flößerdorf schlängelt sich seit 2025 das „Flößerwegla Wallenfels“, das sich auf die Spuren der Flößer begibt. Die Wanderung führt über knapp sieben Kilometer zu 28 Stationen, an denen Geschichten zur Flößerei warten. Markierungen mit Flößerhaken säumen den Weg. An jeder Station gibt es einen QR-Code, hinter dem eine Überraschung wartet. Mal ein Text, mal historische Fotos, mal ein Video.





Ein großer Teil des Weges führt entlang der Wilden Rodach. Einst ein Fluss, der sich durchs Tal schlängelte, hat die Wilde Rodach heute einen geradlinigen Verlauf. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte begradigt und verbaut und zum Flößen tauglich gemacht. Wer am Ufer wandert, begegnet mehreren Wehren und Schleusen. Ein Steg über die Wilde Rodach ist mit einem Nadelwehr ausgestattet. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war diese Bauart typisch für die Bäche des Frankenwalds. Die Wehre stauten den oberhalb liegenden Flussbereich an, um eine ausreichende Wassertiefe für das Flößen zu gewährleisten, und sicherten eine gleichbleibende Wassermenge für die Mühlbäche der zahlreichen Mühlen.






Flößerei im Frankenwald: Wehre und Schleusen
Beeindruckend zeigt sich die Obere Schleuse, die 1913 zur Hochwasserfreilegung erbaut wurde. Sie markiert den Anfang des Rodachdurchstiches, dem Beginn des künstlich angelegten Flussabschnitts, der zur Zähmung der einst wilden Rodach geschaffen wurde. Die Obere Schleuse besteht aus drei Teilen. Durch die Wehröffnung fließt das Flusswasser in das ursprüngliche Flussbett durch Wallenfels. Ein hölzernes Schütz mit gusseisernem Zahngestänge sperrt bei Hochwasser den Zufluss und verhindert Überschwemmungen. In der Mitte des Wehrs wird der Wasseranstau oberhalb des Bauwerks reguliert.







Auch die Untere Schleuse erzählt ein Stück Stadtgeschichte. Als ein besonders heftiges Hochwasser im Jahr 1909 Wallenfels flutete, beschloss man, den Flusslauf zu teilen und den Großteil des Wassers an der Stadt vorbeizuleiten. Ein künstlichen Kanal wurde gegraben, an dessen Ende sich die geteilte Wilde Rodach wieder vereinigen sollte. Die Unteren Schleuse liegt an dem Zusammenfluss, wo das Flussbett der ursprünglichen Wilden Rodach und der neu geschaffene künstliche Flusslauf wieder zusammenfinden. Das Bauwerk aus Stampfbeton gleicht drei Meter Höhenunterschied aus. Damit auch Flöße diese Schwelle überwinden konnten, befindet sich hier mit 75 Metern die längste Floßgasse Oberfrankens.








Flößerei im Frankenwald: Gstopftn Rumm
Mit der Flößerei zu tun hat auch eine Spezialität, die es nur in Wallenfels gibt. Dafür wurde die Stadt im Jahr 2018 als einer der „100 besten Genussorte Bayerns“ vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ausgezeichnet. Die „Gstopftn Rumm“ war einst ein Arme-Leute-Essen. Im Frankenwald kam auf den Tisch, was da war. Auf den kargen Böden wuchs nur robustes Gemüse. Daraus erfanden die Wallenfelser ihr „Rumm“. Der Name bedeutet so viel wie „gestopfte Rüben“ oder „gestampftes Gemüse“.

Erdkohlrabi, Karotten, Wirsing, Kraut und Lauch wurden im Herbst fein gehackt, in Behältnisse „gestopft“ und gesalzen. Anschließend musste die Mischung wochenlang ruhen, um den Gärvorgang in Gang zu setzen. Im Winter war die Gemüsemischung fertig. Die „Gstopftn Rumm“ waren ein typisches Essen der Flößer, monatelang haltbar und ein wichtiger Vitaminlieferant. Heute gibt es „Gstopftn Rumm“ nur in Wallenfels, gerne süß-sauer zubereitet und als Beilage zu Gans, Ente oder Braten. Bekannte Adressen dafür sind der „Gasthof Egersmühle“ und der „Gasthof Roseneck“. Immer am ersten Advent und dem Weihnachtsmarkt werden die „Gstopftn Rumm“ in Wallenfels angeboten.




♥ Offenlegung
Dieser Artikel entstand im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Frankenwald Tourismus. Meine Meinung ist aber völlig unvoreingenommen und stets meine eigene.

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