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Burgenstadt Friesach: Wo sich Mittelalter und Moderne in der ältesten Stadt Kärntens begegnen

〈ᴡᴇʀʙᴜɴɢ〉Nirgendwo anders in Kärnten erlebt man mehr historisches Flair als in Friesach. Die älteste Stadt Kärntens ist bekannt für mittelalterliche Bauwerke und Burgen, samt Stadtbefestigung und wasserführendem Stadtgraben. Wer hierher kommt, hat das Gefühl, durch die Zeit zu reisen – und in der Zukunft wieder aufzutauchen. Denn mitten in der Magie des Mittelalters entdeckt man regionale Trends – von der Schokoladenmanufaktur über das Speckladle bis hin zum Spektakeldinner.


Wo sich Mittelalter und Moderne in Friesach begegnen ♥ Lesezeit: 9 Minuten


Über dem Wasser steigt Nebel auf. Der blassweiße Dunst lässt die Mauern im Morgenlicht verschwimmen. Der Tag beginnt ruhig in Friesach. Nur die Wasseroberfläche im Burggraben kräuselt sich. Dann und wann ertönt ein leises Plätschern, wenn eine Welle die Stadtmauer trifft. Es ist jener Moment des Tages, an dem die Zeit wie eingefroren scheint; nämlich dann, wenn noch keine Autos fahren und Menschen durch die Gassen spazieren.

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Friesach ist die älteste Stadt in Kärnten und bekannt für ihre gut erhaltenen mittelalterlichen Bauwerke. Die Stadtbefestigung samt wasserführendem Stadtgraben, die Friesach umschließen, verleihen dem Ort jenes historische Flair, das Besuchern das Gefühl gibt, als würden sie durch die Zeit reisen. Denn Friesach gehört zu den wenigen österreichischen Städten, die ihr mittelalterliches Bild erhalten haben. Neben der einzigartigen Stadtmauer mit Wassergraben besteht das sogenannte „Friesacher Ensemble“ aus der Geiersburg, der Burg Petersberg, dem Schloss Lavant und dem in die Stadtbefestigung miteinbezogenem Rotenturm. 

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Die Burg Petersberg ist die bekannteste im „Friesacher Ensemble“, im Sommer kommen Tausende Gäste. Denn hoch über der Stadt finden auf der Burghofbühne seit 1950 die Burghofspiele statt. Jedes Jahr reisen rund 10.000 Theaterfans an, die über die mittelalterliche Kulisse staunen und die aufgeführten Komödien lachen. 2020 sollte „Der Geizige“ von Jean Baptiste Molière aufgeführt werden, wegen der COVID-19-Pandemie wurden die Burghofspiele aber leider abgesagt. Trost spenden die Vereinsmitglieder inzwischen mit einer anderen Tätigkeit: Sie arbeiten aktuell das umfangreiche Burghofspiele-Archiv auf und fassen Ausschnitte zusammen. Die acht- bis zehnminütigen Filme ab dem Jahr 1950 werden kontinuierlich auf Facebook und Youtube zu sehen sein. 

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Doch auch wenn das Theater dieses Jahr fehlt, geht das Stück der Stadt weiter – und der Prolog startet quasi vor den Mauern der Stadt. Wer in Friesach ankommt, passiert zu allererst die Stadtmauer, die eine lange Geschichte erzählt. Ein erster Mauerring wurde schon um 1200 erbaut. Doch der war zu groß und weitläufig geplant und setzte die Stadt Gefahren aus: In den Jahren 1275, 1289 und 1292 wurde Friesach dreimal erobert, geplündert und niedergebrannt. Noch im 13. Jahrhundert fiel der Entschluss zur Erbauung der neuen Stadtbefestigung. Die neue Mauer ist noch heute 10 bis 11,5 Meter hoch und 1,25 bis 1,60 Meter breit. Für den Bau wurden 35.000 Kubikmeter Steine verwendet und ein Wassergraben in der Länge von 820 Meter per Hand ausgehoben. 

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Der Grund, warum Friesach einst so begehrt war, liegt unter anderem an der Lage an einer der Haupthandelsrouten zwischen Wien und Venedig. Der Markt wurde bereits im Jahre 1215 zur Stadt erhoben und entwickelte sich im Laufe der Zeit zur zweitgrößten Stadt des Erzstiftes Salzburg und zur wichtigsten Stadt Kärntens. Damals entstand auch der Friesacher Pfennig, der über zwei Jahrhunderte überregionales Zahlungsmittel war. Es spielte aber nicht nur die Wirtschaft eine große Rolle in Friesach, sondern auch die Religion. Die Salzburger Erzbischöfe ließen eine Residenz in Friesach bauen, auch zahlreiche kirchliche Orden siedelten sich an. Bis 1803 blieb Friesach im Besitz der Salzburger Erzbischöfe. 

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Spuren von damals gibt es heute noch viele. Spaziert man durch die Stadt, ist das Mittelalter allgegenwärtig – und das nicht nur wegen der Burgen. Der Gebäudekomplex des Fürstenhofs stammt beispielsweise aus dem 13. Jahrhundert und wird heute in seiner ursprünglichen Funktion als öffentliches Verwaltungszentrum genutzt. In der Stadtpfarrkirche staunt man indes über Spuren aus mehreren Epochen: einen romanischen Taufstein aus dem 12. Jahrhundert, gotische Glasmalerei der Chorschlussfenster von Ende des 13. bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts, den barocken Hochaltar von 1679 oder das Rokokogestühl aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Dominikanerkirche wiederum fällt sofort ins Auge durch ihren schlichten, langgestreckten Raum: Die längste Kirche Kärntens hat keinen Turm, sondern nur einen kleinen Dachreiter. Wer die Friesacher Zeitreise im Museum erleben will, sollte ins Stadtmuseum am Petersberg gehen. Im Kapellenturm, der ehemals geheimen Kapelle des Erzbischofs, werden viele Zeugnisse aus der Geschichte der Stadt ausgestellt.

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Die Geschichte am lebenden Objekt bestaunen Urlauber dafür bei einem der spannendsten Geschichtsprojekten Österreichs: beim Burgbau in Friesach. Im Süden der Stadt entsteht eine weitere mittelalterliche Burg – und das ausschließlich mit mittelalterlichen Handwerksmethoden. Das historische Experiment begann im Jahr 2009 und wird voraussichtlich 40 Jahre dauern. Die Idee ist es, wie vor 800 Jahren eine Burg zu errichten, ohne Strom und Maschinen, dafür mit Handwerk, Tierkraft und natürlichen Baustoffen. Besucher können den Handwerkern bei der Arbeit über die Schulter blicken und spannende Details erfahren, für Kinder gibt es eigene Führungen und ein mittelalterliches Kreativprogramm mit Specksteinschleifen, Burgbauen oder Wappenmalen.

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Die Geschichte der Stadt entdeckt man auch, wenn man sich auf den fünf Kilometer langen Burgwanderweg begibt, der in und um Friesach führt und bei einer leichten Wanderung alle spannenden Punkte der Burgenstadt ansteuert. Die Strecke führt vom Hauptplatz entlang der Bahnhofstraße zum ehemaligen Olsator mit der Bäckertauche. Weiter geht es zur Befestigungsanlage, vorbei am Dominikanerkloster und über den Wächtersteig zum Petersberg. Vom Berghang geht es dann zur Rotturmanlage und weiter zur Chorschiffruine am Virgilienberg im Süden der Stadt. Von hier geht es entlang schmaler Gassen zurück zum Ausgangspunkt am Hauptplatz.

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Die besten Lifestyle-Tipps für Friesach

#1 Schokoladenmanufaktur Craigher  
Die süßeste Station in Friesach macht man in der „Schokoladenmanufaktur Craigher“ (Hauptplatz 3): In der hauseigenen Manufaktur wird die Schokolade handgeschöpft, rund 40 verschiedene Sorten gibt es zur Auswahl, darunter lokale Kreationen wie Kärntner Mostbirne oder Kürbishonig. Besonders lohnenswert ist ein Besuch in der Erlebnis-Manufaktur, wo man alles über den Weg einer Kakaobohne bis zur fertigen Schokolade lernt – und naschen kann an über 20 Verkostungsstationen (Tickets: Erwachsene € 14,90, Kinder € 9,90).

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#2 Schau-Manufaktur Uhren Kogler
Eine andere Manufaktur findet man bei „Uhren Kogler“ (Hauptplatz 17): Erst seit dem Frühjahr 2020 wurde jener Teil des Geschäfts kreiert, in dem Kunden nun die Möglichkeit haben, den Profis bei der Arbeit zuzusehen und zu beobachten, wie ihre eigene Uhr zusammengesetzt wird. 

#3 Villa Bucher
Ob Hotelübernachtung, Kaffee und Kuchen oder Abendessen: Die „Villa Bucher“ (Hauptplatz 11) thront am höchsten Punkt des Friesacher Hauptplatzes, alleine deshalb sollte man schon kommen: Der Blick auf den mittelalterlichen Stadtkern ist absolut sehenswert. Das Gebäude wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert errichtet und diente einst als Bergrichteramt. Im Jahr 1963 erwarb Familie Bucher das Anwesen und machte daraus ein modernes Hotel. 

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#4 Wirtshaus Speckladle
Das „Wirtshaus Speckladle“ (Wiener Straße 12) ist seit Generationen im Besitz der Familie Höferer und liegt direkt am Wassergraben. Das Hauptgebäude wurde im 13. Jahrhundert erbaut und ist eines der ältesten Häuser mit Innenhof in Friesach. Auf den Tisch kommen unter anderem selbst gemachter Ofenschweinsbraten, vom Kärntner Almrind geschmorter Zwiebelrostbraten oder Kärntner Gebirgsforelle.

#5 Kost-Nix-Laden
Der „Kost-Nix-Laden“ (Theaterplatz 5) in Friesach wurde initiiert vom Verein „Friesach im Wandel“ und hat das Ziel, Kleidungsstücken und Alltagswaren ein längeres Leben zu schenken, indem sie unentgeltlich den Besitzer wechseln. Seit fünf Jahren gehen rund 1.000 Bananenschachteln Altkleider aus an nationale und internationale Hilfsprojekte. 

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#6 Spektakeldinner 
Wer sich ein spektakuläres Abendessen in historischem Flair gönnen möchte, sollte ein „Spektakeldinner“ (Fürstenhof) in Friesach buchen. Geboten werden ein 5-gängiges Gala-Dinner nach original mittelalterlichen Rezepten und dazu eine mittelalterliche Show (€ 64 pro Person).


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Offenlegung

Dieser Artikel entstand in einer bezahlten Zusammenarbeit mit Kärnten – It’s my Life. Meine Meinung ist aber völlig unvoreingenommen und stets meine eigene.

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