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Côte d’Azur: Sehnsuchtsorte an der französischen Riviera

Erst kam der Hochadel, dann die Boheme, später die Stars. Heute ist auch für den Rest der Welt die Côte d’Azur ein Sehnsuchtsort. Kein Wunder: Ob prominente Städte wie Nizza und Cannes oder putzige Dörfer wie Saint-Paul-de-Vence und Cagnes-sur-Mer: Schon die weich klingenden Namen an der französischen Riviera klingen wie ein sanftes Versprechen – eines, das die azurblaue Küste auch tatsächlich hält.


Côte d’Azur: Sehnsuchtsorte an der französischen Riviera ♥ Lesezeit: 6 Minuten


Das Licht an der Côte d’Azur wirkt satter als anderswo; beinahe so, als hätte jemand den Farbregler auf die intensivste Stufe gestellt, um die Sonne gleißender und das Blau des Meeres blauer wirken zu lassen. Die Farben sind einer der Gründe, warum die Region ab dem 18. Jahrhundert boomt. Wie die Motten ans Licht zieht es seither Künstler an die Côte d’Azur; und genau dieses Licht ist es auch, das die Boheme spaltet: „Als ich begriff, dass ich jeden Morgen aufs Neue dieses Licht sehen würde, konnte ich mein Glück nicht fassen“, schreibt der Maler Henri Matisse, als er 1917 nach Nizza zieht, während Claude Monet mit den Farben fast schon überfordert ist: „Ich quäle mich und kämpfe mit der Sonne. Und was für eine Sonne das ist! Man müsste hier mit Gold und Edelsteinen malen.“ 

„Als ich begriff, dass ich jeden Morgen aufs Neue dieses Licht sehen würde, konnte ich mein Glück nicht fassen“

Henri Matisse

Heute zieht es nicht nur Promis an die azur-blaue Küste, heute kommen auch jene, die dem Klischee keinen Glauben schenken, dass der 250 Kilometer lange Küstenstreifen in Frankreichs Süden nur ein Platz für die Reichen und Schönen ist. Längst haben die Farben der Côte d’Azur und die französische Haltung des Savoir-vivre („verstehen, zu leben“) die Masse erreicht – und Besucher staunen über Meer und Himmel, die ständig darüber zu streiten scheinen, wer das schönere Blau hat; über malerische Strände und idyllische Buchten, über prominente Städte und putzige Dörfer. 

Côte d’Azur: Sehnsuchtsorte an der französischen Riviera

Klar, wer den Namen Cannes hört, denkt sofort an das berühmte Filmfestival und die Stars, die hier ein luxuriöses Zweitdomizil haben: George Clooney, Madonna, Angelina Jolie – sie alle sind der azurblauen Küste verfallen. Doch in Cannes ist nicht nur das Licht dominant, sondern auch die Shoppingszene; manch Einheimischer unkt von mehr Geschäften als Einwohnern. Das ist bei knapp über 70.000 Menschen zwar übertrieben, aber Fakt ist, dass das Städtchen ein Paradies für Shopaholics ist. Das Zentrum von Cannes ist der Boulevard de la Croisette, der bereits im Jahr 1868 gebaut wurde, als Cannes noch ein kleines Fischerdorf war. Heute reiht sich ein Luxusshop an den nächsten und man spürt das berühmte mondäne Flair. Doch die „La Croisette“ eignet sich wegen der horrenden Preise nicht unbedingt zum Shoppen; lieber biegt man in eine der malerischen Gassen ab. Dann entdeckt man kleine Boutiquen ebenso wie hippe Concept-Stores. 

Auf der anderen Seite der Stadt zeigt sich Cannes dann anders: Schlendert man über den Marché Forvillezwischen buntem Gemüse und duftenden Blumen, zwischen verrunzelten Marktfrauen und spielenden Kindern, dann verliert Cannes sein eitles Gesicht: Man schlürft einen Café au Lait, sagt „Ça va?“ nach rechts und links und kostet die Spezialitäten der Region: Socca, Fladen aus Kichererbsenmehl. Was man hier auch feiert, ist die Zeit rund um den Sonnenuntergang. Dann wuseln die Menschen über die Croisette und den Strand und warten, bis der Himmel hellrosa, zartlila und dunkelrot wird. Am Palm Beach am Ende der Croisette sieht man den schönsten Sonnenuntergang. Der Blick über das Meer, die Berge und die Palmen ist umwerfend.

Côte d’Azur: Sehnsuchtsorte an der französischen Riviera

Es dauert dann nur eine Stunde, bis man Nizza erreicht, den nächsten Farbklecks an der Côte d’Azur. Obwohl man im Vergleich zu Cannes in einer Großstadt mit rund 340.000 Einwohnern ist, ist es hier unaufgeregter. Vielleicht, weil Nizza weniger exaltiert ist als Cannes, vielleicht auch, weil die Stadt jung ist: Die Hälfte der Einwohner von Nizza ist unter 40! Auch hier dominiert die Uferstraße, Shopping war aber nie der Fokus an der Promenade des Anglais: Die Straße wurde im 19. Jahrhundert für reiche Urlauber aus Großbritannien erbaut, die schon damals erkannten, dass auch hier die Farben das Sagen haben: Staunt man gerade noch über das Türkis des Meers und das Blau des Himmels, ist wieder alles anders, wenn man den Colline du Château, den Schlosshügel Nizzas, erklimmt. Je höher man kommt, desto weiter öffnet sich der Blick über die Altstadt und man sieht malerische Häuser in Zinnoberrot, Zitronengelb und Ockerbraun. Oben angekommen findet das Farbspiel seinen Höhepunkt, wenn man auf die Baie des Anges, die Engelsbucht, mit dem Hafen blickt: Weiße Yachten schaukeln auf türkis- farbenem Wasser vor Häusern, die in Cremeweiß und Altrosa getüncht sind – und man versteht die Sehnsucht vieler weltberühmter Maler, diese Farben auf Leinwand zu bannen. 

Nizza überzeugt aber auch mit Schmäh, daran wird man jeden Tag zu Mittag erinnert: Dann hallt ein Kanonenschuss durch die Stadt, abgefeuert am Burghügel. Weil in den 1860er-Jahren ein Typ namens Sir Thomas Coventry-More sich ärgerte, dass seine Frau nie pünktlich zum Essen heimkam, bezahlte er die Stadt dafür, ein unüberhörbares Signal abzufeuern. Die Frau kam seither pünktlich, die Nizzaer fanden es lustig – und so knallt es noch heute jeden Tag zu Mittag. Dann isst man übrigens am besten in Restaurants mit dem Siegel „Cuisine Nissarde“ und kostet die traditionelle Küche von Ravioli Niçoise bis hin zu Daube Niçoise (in Rotwein geschmortes Rind). 

Um die Côte d’Azur richtig gesehen zu haben, muss man auch ins Landesinnere fahren und die Dörfer besuchen. In Saint-Paul-de-Vence hat man das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben, vielleicht zieht das mittelalterliche Dorf aus dem 16. Jahrhundert deshalb so viele Künstler an. Picasso malte hier ebenso wie Chagall, und im Sommer laufen 20.000 Touristen durch die autofreien Straßen, obwohl nur 3.000 Menschen hier wohnen. Spaziert man dann über unebene hellgraue Pflastersteine, die in steilen und engen Gassen nach oben führen, erhascht man plötzlich einen Blick auf die Ausläufer der Alpen: Silbrig funkelnde Berge, grüne Wiesen, weiße Gipfel, die es locker mit den satten Farben der Küste aufnehmen können. Vielleicht hatte Claude Monet wirklich recht – und man müsste hier statt mit Farben mit Gold und Edelsteinen malen. 

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Offenlegung 

Atout France, die Französische Zentrale für Tourismus, hat mich eingeladen, an die Côte d’Azur zu reisen.

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