Eingebettet in die grünen Ausläufer des zerklüfteten Rif-Gebirges liegt eine der ungewöhnlichsten Städte Nordafrikas: Chefchaouen. Die kleine Stadt im Norden von Marokko ist berühmt für ihre blaue Medina: Nicht nur die Hausfassaden leuchten in allen Blauschattierungen, auch Wände, Treppen und Böden. Doch die „blaue Stadt“ hat weit mehr zu bieten als nur ihre Farbe.
Die „blaue Stadt“ in Marokko: Highlights in Chefchaouen ♥ Lesezeit: 6 Minuten
Der beste Weg, Chefchaouen zu entdecken, ist ein Spaziergang ohne festes Ziel. Man würde sich ohnehin verlaufen. Die schmalen Gassen der Medina winden sich zwischen Häusern, Torbögen und Treppen, bergauf, bergab und immer wieder um die Kurve. Die Altstadt schmiegt sich an einen Berg und besteht aus sich nach oben schlängelnde Gassen und so vielen Stufen, dass man sie nicht zu zählen vermag. Mit jedem Schritt verändert sich die Perspektive. Die feste Konstante ist die Farbe. Chefchaouen ist berühmt als „blaue Stadt“. Nicht nur die Hausfassaden leuchten in allen Blauschattierungen, auch Wände, Treppen und Gassenböden. Die Farbe zeigt die ganze Palette: Azur-, Kobalt-, Indigo-, Himmel- oder Marineblau gehen so leichtfüßig ineinander über, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Und immer wieder öffnen sich Ausblicke auf die zerklüfteten Zacken des Rif-Gebirges, die Chefchaouen umgeben.

Die kleine Stadt im Norden von Marokko ist eine der ungewöhnlichsten Städte Nordafrikas. Schon der Weg nach Chefchaouen ist eine Augenweide. In Serpentinen geht es Höhenmeter um Höhenmeter hinauf, bis sich die Umrisse der Stadt am Horizont abzeichnen. Schon der Name spielt auf die Umgebung an. Die Worte „Chaouen / Ichawen“ bedeuten in etwa „schauen auf“ / „oben auf“ bzw. auch „Spitze“. Der längere Name „Chefchaouen“ geht auf die Bedeutung „die Hörner“ zurück. Gemeint sind zwei markanten Bergspitzen des Rif-Gebirges, die wie zwei Hörner aussehen. Diese beiden Gipfel überragen Chefchaouen und gaben der Stadt ihren Namen.






Die „blaue Stadt“
Chefchaouen wurde im Jahr 1471 als Festungsstadt von Moulay Ali Ben Rachid gegründet, um den Ort vor portugiesischen Invasionen zu schützen. Die Stadt diente auch als Zufluchtsort für andalusische Muslime und Juden auf der Flucht vor der Reconquista in Spanien. Moulay Ali Ben Rachid war ein marokkanischer Prinz und Militärführer und ist eng verknüpft mit der Gründung und Verteidigung von Städten im Rif-Gebirge, insbesondere Chefchaouen.





Chefchaouen entstand zu Füßen der Gipfel des Rif-Gebirges und strahlt in allen Blauschattierungen. Theorien über die Entstehung der „blauen Stadt“ gibt es viele. In der jüdischen Kultur symbolisiert die Farbe Blau den Himmel und auch die Nähe zu Gott. In der islamischen Tradition heißt es wiederum, dass Blau dazu dient, böse Geister und Dschinn fernzuhalten. Auch sagt man, dass die Farbe das Sonnenlicht reflektiert und die Hitze in den Gassen der Stadt verringern kann. Angeblich werden zudem Mücken und andere Insekten fernhalten. Eine Erklärung ist auch der Tourismus: Mittlerweile ist die „blaue Stadt“ ein Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal von Chefchaouen.






Highlights in Chefchaouen: Medina
Die Medina ist das pulsierende Herz von Chefchaouen. Im Vergleich zu anderen marokkanischen Städten ist sie klein und überschaubar, steckt aber voller verwinkelter Gassen, die zu versteckten Plätzen, historischen Gebäuden, Handwerksläden und Souks führen. Hier werden Textilien wie Teppiche und handgewebte Decken, Keramik und Töpferwaren, Lederprodukte, Schmuck, Gewürze und Souvenirs feilgeboten. Jeder Schritt führt zu neuen Entdeckungen in vielen kleinen, verborgenen Läden.







Die Medina liegt umgeben von Stadtmauern und Toren. Dahinter verbirgt sich ein blaues Wunder, das einen staunen lässt. Das Blau der Stadt hat viele Schattierungen: mal intensiv leuchtend, mal sanft verwaschen. Die Farbe ist überall zu entdecken: an Hauswänden, auf dem Boden, auf Dächern, an Türen. Egal, wo man abbiegt: Überall eröffnen sich in Blau getauchte Szenen und einzigartige Fotomotive. Ein Spaziergang durch das Gassengewirr ist ein stetes Auf und Ab. Die Wege führen mal nach oben, mal nach unten und immer wieder über Hunderte Stufen.







Highlights in Chefchaouen: Plaza Uta el-Hammam
Der Treffpunkt der Stadt und das Zentrum des städtischen Lebens ist der Plaza Uta el-Hammam. Der Name bedeutet übersetzt etwa „Platz des Bades“, da sich hier früher öffentliche Badeanlagen befanden. Heute reihen sich zahlreiche Cafés und Restaurants rund um den Platz aneinander, dazwischen biegen schmale Gassen in die Medina ab. Viele der Restaurants haben Dachterrassen in den oberen Etagen, von denen man einen tollen Ausblick auf das Treiben auf dem Platz, auf die Kasbah und die Große Moschee hat.

An der Rückseite der Plaza Uta el-Hammam liegt leicht erhöht die Kasbah mit ihren historischen Gärten und Museen, sodass ihre Mauern und Türme alles überblicken zu scheinen. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich leicht seitlich versetzt die Große Moschee von Chefchaouen. Sie ist gut zu erkennen an ihrem minarettartigen Turm, der aus den blauen Häusern herausragt.

Highlights in Chefchaouen: Mosquée El Masjid El Aadam
Die Hauptmoschee der Medina ist die Mosquée El Masjid El Aadam, auch bekannt als die Große Moschee. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist bekannt für ihren achteckigen Minarett-Turm. Die Moschee spielt seit jeher eine wichtige Rolle im religiösen und sozialen Leben der Stadt und ist eng verbunden mit der Geschichte der Medina und der Gründung Chefchaouens durch Moulay Ali Ben Rachid.

Die Moschee zeichnet sich durch ihre traditionelle marokkanische Architektur aus. Sie hat einen rechteckigen Grundriss mit einem offenen Innenhof. Die Außenwände sind in den typischen blauen und weißen Farbtönen von Chefchaouen gehalten. Die Moschee wird von der lokalen Bevölkerung für die fünf täglichen Gebete genutzt. Wie in den meisten Moscheen des Landes ist der Zugang allerdings nur Muslimen erlaubt.

Highlights in Chefchaouen: Kasbah
Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes befindet sich die Kasbah, deren befestigte Mauern in Kontrast zur eher schlichten Bauweise der Moschee stehen. Der Begriff „Kasbah“ meint im Arabischen eine innerhalb oder außerhalb von Städten gelegene Festung. Die Kasbah von Chefchaouen stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurde unter der Herrschaft von Moulay Ali Ben Rachid gegründet.

Die Kasbah ist von massiven Mauen und mehreren Türmen umgeben, die früher zur Verteidigung gegen Eindringlinge dienten. Im Zentrum liegt ein großer Innenhof mit kleinen Gärten, Wasserbecken und Sitzbereichen. Wer den Turm der Kasbah erklimmt, wird mit einem beeindruckenden Panoramablick über die blaue Stadt und das umliegende Gebirge belohnt. Innerhalb der Kasbah liegen auch das Kasbah-Museum und das Ethnographische Museum.




Highlights in Chefchaouen: Museen
Das Kasbah-Museum befindet sich im Hauptgebäude der Kasbah. Es beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung Chefchaouens von der Gründung im 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ausgestellt ist eine Sammlung ethnographischer Exponate, darunter traditionelle Kleidung, Waffen und Musikinstrumente der Region. Außerdem gibt es Kunstwerke und historische Dokumente zu sehen, die einen Einblick in die lokale Geschichte geben.

In einem Nebengebäude befindet sich das Ethnographische Museum, das sich auf die kulturelle Identität und den Alltag der Bevölkerung im Rif-Gebirge konzentriert. Es präsentiert traditionelle Kleidung und Haushaltsgegenstände und gibt einen guten Einblick in die Bräuche der Region. Das Museum vermittelt ein authentisches Bild des marokkanischen Alltagslebens vergangener Jahrhunderte.





Highlights in Chefchaouen: Ras El-Maa
Eine der wohl authentischsten Seiten Chefchaouens zeigt sich am Ras El-Maa. Von der Medina aus geht man einfach Richtung Osten durch die Gassen, die zu den höher gelegenen Stadtteilen führen. Ras El-Maa ist nach etwa 10 bis 15 Minuten erreicht. Der Name bedeutet übersetzt so viel wie „Kopf des Wassers”. Das passt: Am Rande der Medina treffen hier mehrere Quellen aus dem Rif-Gebirge zusammen, die sich in den kleinen Wasserfall Ras El-Maa ergießen.

Das Wasser fließt direkt aus dem Rif-Gebirge hinunter in die Stadt und versorgt die Einheimischen seit Jahrhunderten mit frischem Wasser. Historisch gesehen war Ras El-Maa lebenswichtig für die Siedlung. Schon beim Bau der Medina im 15. Jahrhundert sorgten die Quellen dafür, dass die Stadtbevölkerung ausreichend Trinkwasser und Wasser für die Landwirtschaft hatte. Früher wurde der Platz genutzt, um Wäsche zu waschen oder Kleidung zu färben. Und noch heute ist der Ras El-Maa ein beliebter Treffpunkt für Einheimische, die hier ihre Teppiche waschen.

Highlights in Chefchaouen: Spanische Moschee
Auf einem Hügel außerhalb der Stadt liegt der bekannteste Aussichtspunkt Chefchaouens: Jamaa Bouzafer. Die Moschee wurde in den 1920er Jahren erbaut, als Nordmarokko unter spanischem Protektorat stand, daher auch der Name „spanische Moschee“. Heute ist sie zwar verlassen, los ist aber viel, denn der Blick über die „blaue Stadt“, das Rif-Gebirge und das weite Tal gilt vor allem bei Sonnenuntergang als spektakulär. Generell liegen rund um die Stadt mehrere Aussichtspunkte, von denen man einen tollen Blick auf Chefchaouen hat.

Die Spanische Moschee thront in erhöhter Lage abseits des Zentrums, etwa einen Kilometer nordöstlich der Medina. Der Aussichtspunkt ist über einen kurzen Wanderweg erreichbar. Vom Zentrum der Medina folgt man einfach den Schildern Richtung „Mosquée Espagnole“ und den befestigten Pfaden, die zur Moschee führen. Der Weg ist steil, aber gut markiert. In etwa 20 bis 25 Minuten ist die „spanische Moschee“ erreicht.



Ausflugstipp: Akchour-Wasserfälle
Von Chefchaouen dauert es nur 45 Minuten, bis man das Herz des Rif-Gebirges erreicht. Die Gebirgskette gehört zum Atlasgebirge und hat eine Länge von etwa 350 Kilometern. Das Berberdorf Akchour ist ideal, um die beeindruckende Naturkulisse kennenzulernen. Das sogenannte „Tal mit Wasserfällen“ liegt im Tallasemtane Nationalpark und gilt als Wasser und Wanderparadies.

An einer steinernen Brücke starten mehrere Wanderwege, die entlang des Wassers führen. Der Fluss weist die Wege und lädt zu Pausen ein. Am Ufer stößt man immer wieder auf hölzerne Buden mit zahlreichen Sitzplätzen am Wasser, das sich in Kaskaden in natürlich geformte Pools ergießt. Die Gegend ist beliebt bei marokkanischen Familien, um am Wochenende in der Natur Zeit miteinander zu verbringen. Zwei beliebte Wanderungen führen zu den zu den Akchour-Wasserfällen und entlang des Oued Farda zur Felsbrücke Pont de Dieu, die eine Schlucht überspannt.





Hotels in Chefchaouen
♥ Offenlegung
Die Reise wurde unterstützt vom staatlichen Tourismusbüro Marokko. Meine Meinung ist aber völlig unvoreingenommen und stets meine eigene. Der Artikel enthält Empfehlungslinks. Bei einer Bestellung erhalte ich eine kleine Vermittlungsprovision – natürlich ohne Mehrkosten für meine Leser:innen.

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