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Inselparadies Ibiza: Bilderbuchstrände, Blumenkinder & der Beat der Balearen

In den 70er Jahren entdeckten Hippies auf dem Weg nach Indien die Insel und blieben, danach kamen der internationale Jetset, Promis und Clubgänger – und blieben auch. Heute wird Ibiza oft als Party-Hotspot abgestempelt, dabei hat die Baleareninsel längst nicht nur die legendären Beats von David Guetta zu bieten: Malerische Buchten, verträumte Dörfer und der leichtfüßige Lebensstil der Blumenkinder von damals eröffnen eine andere Welt – und wer will, checkt in beiden ein.


Ibiza: Bilderbuchstrände, Blumenkinder & der Beat der Balearen ♥ Lesezeit: 8 Minuten


Wenn sich um 12 Uhr die Türen der kleinen Kirche in Sant Joan de Labritja öffnen, dauert es nur wenige Minuten, bis auf dem Marktplatz gegenüber Musik ertönt. Der sonntägliche Hippiemarkt öffnet hier zwar schon um 10 Uhr, startet aber erst so richtig, wenn die Kirche vorüber ist und die Musiker in die Saiten hauen. Sant Joan liegt im Norden Ibizas und lädt jeden Sonntag zum bunten Marktreiben ein. Hippiemärkte sind typisch auf der Insel, allen voran Punta Arabi in Es Canar und Las Dalias in Sant Carles, doch die meisten sind mittlerweile stark überlaufen, kommerzialisiert und lediglich Touristenattraktion mit viel Chinaware. Anders ist es hier in Sant Joan, auch aufgrund der Geschichte des kleinen Dorfes: Der Ort avancierte in den 1960er-/70er-Jahren zu einer Hochburg der Hippiebewegung! Spaziert man über den Marktplatz, kriegt man an der ein oder anderen Ecke den süßlichen Geruch von Marihuana in die Nase und entdeckt unter den Marktbesuchern Pensionisten mit langen Haaren, ausgelatschten Ledersandalen, sonnengegerbter Haut und Perlenkette um den Hals, denn bis heute gibt es eine aktive Hippiegemeinschaft. Der sonntägliche Markt ist authentisch, bunt und bietet viele Möglichkeiten, sich die heimischen Produkte genauer anzusehen: Dorfbewohner und Bauern aus der Umgebung verkaufen frisches Obst und Gemüse aus biologischem Anbau, Landweine, Gewürze, Marmeladen, Quiches und viele andere ibizenkische Köstlichkeiten. 

Während im Winter und Frühling die Einheimischen weitgehend unter sich bleiben und die Insel nahezu verwaist ist, verwandelt sich Ibiza jedes Jahr im Sommer in die größte Open-Air-Partyzone der Welt. Vom ruhigen Norden in Sant Joan de Labritja bis zur belebten Marina von Ibiza-Stadt im Süden dauert es lediglich eine halbe Stunde. Wo 1973 in einer ehemaligen Finca eine kleine Disco eröffnet wurde, steht heute mit dem „Pacha“ (Av. 8 d’Agost) nicht nur einer der beliebtesten Clubs der Insel, sondern auch ein weltweit florierendes Franchis-Unternehmen, dessen Logo aus zwei Kirschen fast jedem bekannt ist. Wenn Star-DJ David Guetta im Sommer auf Ibiza wöchentlich auflegt, zahlen tanzwütige Gäste mindestens € 75 für eine Eintrittskarte; er selbst kassiert angeblich pro Nacht an den Turntables € 90.000. Das „Pacha“, das „Amnesia“, das „Ushuaia“, das „Space“, das „Privilege“ – die Namen der Clubs sind ebenso berühmt wie ihre Gäste, gefeiert wird hier nur mit Superlativen.

Ins „Privilege“ stürmen im Sommer gut und gerne 10.000 Gäste gleichzeitig, kein Wunder, immerhin ist der Club der größte der Welt. Geöffnet wird generell erst um Mitternacht, spätestens um 3 Uhr geht es richtig zur Sache – bis um 6 Uhr das Partyvolk dann vor die Tür gesetzt wird. 2008 wurde die Sperrstunde verschärft und die beliebten After-Hours-Lokale, die erst um 7 Uhr morgens öffneten, sind heute Geschichte. Deshalb fängt man mittlerweile früher an oder checkt direkt in einem der Party-Hotels ein, zum Beispiel im „Ushuaï“ (Sant Jordi de Ses Saline) am berühmten Playa d’en Bossa. Das Hotel, das gerne als Disneyland für Erwachsene bezeichnet wird, steht ganz unter dem Motto einer durchgehenden Party: Um 12 Uhr fängt der erste DJ an, ab 16 Uhr ist Party, jeden Tag (€ 60 Eintritt). Wer hier übernachtet, legt zwar ordentlich ab, spart sich aber den Eintritt und kann je nach Zimmer auf dem eigenen Balkon abtanzen – bis Mitternacht, denn dann ist die Party vorbei.

Wer jetzt denkt, dass auf Ibiza immer und überall gefeiert wird, irrt sich aber gewaltig. Das Party-Image von einst hat die Insel längst abgestreift, heute kommen viele Leute auch einfach nur wegen der Schönheit und ja, auch wegen der Kontraste, die man hier immer wieder findet. Denn auch das Klischee, dass man nur wegen der vielen Buchten kommt, ist falsch: Ibiza hat nicht nur Strände, sondern auch wunderschöne Wälder und viele ländliche Gebiete. Dazu kommt, dass es einen neuen Trend gibt und viele Ibizenker ihre alten Bauernhöfe und Fincas zu luxuriösen Landhotels umgebaut haben, so genannte Agrotourismus-Hotels, die ordentlich boomen. Eines der schönsten ist “Can Lluc Boutique Hotel & Villas” (Carretera Sant Rafel A Santa Agnes, Km 2, Sant Rafel). Fährt man nur wenige Kilometer ins Landesinnere, stößt man auf ausgedehnte Pinienwälder, verträumte Dörfer, duftende Olivenhaine und bunte Obstgärten. Gerade im Frühling, wenn alles zu blühen beginnt und die Sommerurlauber noch nicht da sind, lernt man Ibiza von einer ganz besonderen Seite kennen. Das Tolle daran: Die Insel ist mit einer Fläche von 570 km² absolut überschaubar und kann gut in wenigen Tagen entdeckt werden. Selbst vom Landesinneren hat man es nie weit bis zum nächsten Stand: Die Luftlinienentfernung zum Meer beträgt an keiner Stelle mehr als 10 Kilometer!

Im Landesinneren sind auch jene kleinen Dörfer, die die größten Geschichten der Insel erzählen. Zum Beispiel im malerischen Santa Gertrudis, ziemlich genau in der Mitte von Ibiza gelegen. Das weiß getünchte Dorf liegt zwischen unzähligen Orangen- und Zitronenbäumen, den Marktplatz säumen Häuser im kubanischen Stil. Wer denkt, dass das hier nur ein Dorf von vielen ist, irrt sich, denn in Santa Gertrudis befindet sich eine der berühmtesten Bars der Insel: Die Bar Costa erlebte ihren Boom in der Flower-Power-Zeit, die vielen Bilder an den Wänden erzählen die Geschichte vieler Künstler, die kein Geld hatten, um hier zu bezahlen und stattdessen ihre Bilder zurückließen. Noch heute ist die Bar rund um die Uhr voll, Ibizenkos sitzen hier neben Zugereisten ebenso wie neben Touristen und essen die Spezialität: Jamon y Pan con Tomate, Ibericoschinken mit frisch getoastetem Tomatenbrot. Mindestens genauso kultig geht es etwa 18 Kilometer nord-östlich in Sant Carles zu, einst bekannt als Hippie-Dorf, in dem sich viele Aussteiger niederließen. Man traf sich damals wie heute in der „Bar Anita“ direkt an der Hauptstraße; nicht nur, um zu essen und zu trinken, sondern vor allem um die Post abzuholen. Noch heute bedeckten die alten Postfächer aus Holz in Anitas Bar eine ganze Wand und noch heute holen viele hier ihre Briefe ab, denn eine Postzustellung bis zu jedem Haus gibt es auch heutzutage nicht überall. Wer es wie die Einheimischen machen will, bestellt einen Espresso, einen Flaó – einen Käsekuchen mit Minze und Anislikör – und dazu einen selbstgemachtem Hierbas. 

Wer dann genug von der Landpartie hat, düst nach Eivissa, wie Ibiza-Stadt genannt wird, schließlich ist die Insel auch bekannt für unzählige Shoppingmöglichkeiten und die berühmte weiße Mode, die ibizenkische Adlib-Fashion. Das steht für das Lateinische „Ad libitum“ und bedeutet übersetzt „ganz nach Belieben“. Entstanden in der Zeit der Hippies in den Sechzigern und Siebzigern, gibt es heute in fast jedem Laden die typischen Hippie-Kleider, Taschen und Sandalen. Die besten Stücke findet man zwar hochpreisiger, aber dafür in toller Qualität entweder bei „Ad Libitum“ (Calle Bisbe Cardona, 10., Eivissa), wo es auch Modelle von Charo Ruiz, dem bekanntesten Designer der Insel, oder bei „Antik Batik“ (Plaza de la Constitucion 8, Mercado Viejo, Ibiza Town), wo vor allem die Stoffe besonders toll sind. Und bei „Ibiza Republic“ (Crue 25, Eivissa) ist alles aus 100% Baumwolle, was vor allem im Hochsommer sehr angenehm ist.
Wer internationale Designer-Brands sucht, wird bei „Galy“ (Avda. Bartolomé de Roselló 10, Eivissa) oder „Mayurka“ (Ignacio Wallis 12, Eivissa) fündig, Trend-Stücke von Victoria Beckham, Phillip Lim oder Alexander McQueen shoppt man bei Revolver Ibiza (Calle Bisbe Azara, 1, Eivissa).

Doch es ist nicht nur der Shoppingspaß oder das bunte Nachtleben in Ibiza-Stadt, das einen schnell gefangen nimmt, es ist auch die Architektur und das maritime Flair der Stadt. Hoch über Eivissa thront die Kathedrale und man kann einen tollen Spaziergang durch die Altstadt und unzählige verwinklelte Gässchen machen. Die Dalt Vila ist 3.000 Jahre alt und umgeben von alten Festungsmauern, mittendrin thront die Burg der Stadt. Die Burg Castillo de Eivissa besteht aus verschiedenen Gebäuden, die sich auf der Anhöhe des Hügels Puig de Vila befinden. Entlang der gewaltigen Stadtmauern spaziert man besonders schön – und hat ein noch schöneres Panorama. 

Aprops: Auf der Insel gibt es rund 60 Buchten, aber wo sind die schönsten Strände? Viele Einheimische schwören auf die Buchten im Westen rund um San Antoni de Portmany. Hier ist auch ein Lokal, das beinahe legendär auf der Insel ist: Im „Café del Mar“ versammeln sich jeden Abend unzählige Leute, um zur typischen Lounge-Chillout-Musik den Sonnenuntergang zu beobachten. Wenn dann die Sonne ins Meer sinkt, klatschen alle Gäste und gehen anschließend feiern. Und wenn man lieber weniger Ibizas-Klischee besuchen will? Rund um die Insel findet man malerische und weitaus leerere Buchten: im Westen Cala Gracioneta, im Osten Pou des Lleó und im Norden Cala Xarraca. Einer der schönsten Orte, um den Sonnenuntergang zu sehen, ist im Port des Torrent.

Ganz im Süden findet man übrigens einen der beliebtesten Strände der Insel, den Playas las Salinas, aber auch die gleichnamigen Salzfelder Ses Salines, eines der bedeutenden Salzgewinnungsgebieten des Mittelmeerraumes, wo das weltberühmten Sal de Ibiza entsteht. Hier staunt man zuerst über die unendlichen Weiten des magischen Weiß und die leicht rosa gefärbten Salinen, ehe man am Strand einen Sundowner trinkt, zum Beispiel im „Beachclub Jockey Club“ (Playas las Salinas). Wer sportlich in den Sunset cruisen will, bucht bei Sonnenuntergang eine Kajaktour und bestaunt das Schauspiel paddelnd vom Wasser, zum Beispiel über Kayak Ibiza (kayak-ibiza.com, Touren ab € 20). Denn auch wenn Ibiza berühmt sein mag für ausschweifende Partynächte – diese Insel ist einfach viel zu schön, zu vielseitig und zu kontrastreich, um die Tage zu verschlafen. David Guetta wird das sicher verstehen! 

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Offenlegung 

Das Spanische Fremdenverkehrsamt hat mich eingeladen, nach Ibiza zu reisen. Dieser Artikel wurde in gekürzter Fassung in der Zeitschrift miss veröffentlicht.

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